
Das Schutzziel von Brandriegeln aus nichtbrennbarem Material (DIN 4102-A) ist die Verbesserung des Brandschutzes an Gebäuden mit mehr als zwei Geschossen – genauer: die Verhinderung des Brandüberschlages von Geschoss zu Geschoss über Fenster und Loggien.
Vor allem bei Dämmstoffdicken über 10 Zentimeter kommt noch der Umstand hinzu, dass die Fenster zur Verbesserung des Wärmeschutzes oft in die Dämmebene gesetzt werden. Je nach konstruktiver Ausführung kann hier über die Anschlussfuge sogar ein innenseitiger Brandüberschlag direkt in den Dämmstoff hinein drohen. Grundsätzlich ist in allen gefährdeten Bereichen eine sorgfältige handwerkliche Ausführung an allen Details unabdingbar. Die korrekte Ausführung von Brandabschottungen in unterschiedlichen Einbausituationen beschreibt die Technische Systeminfo Nr. 6 des Fachverbandes Wärmedämmverbundsysteme. Danach ist in der Grundausführung oberhalb der Öffnungen in Dämmstärke ein 200 mm hoher Streifen aus Mineralwolle vollflächig verklebt einzubringen, der die Leibung seitlich mindest 300 mm überbaut. Zumindest für die Dämmung der Sturzunterseite, besser aber für die gesamte Leibung, ist ebenfalls Mineralwolle in A-Qualität zu verwenden. Außerdem sind alle Kanten durch Gewebeeckwinkel zu verstärken.
Inzwischen hat ein Arbeitskreis des Fachverbandes den so genannten umlaufenden Brandriegel zur Marktreife entwickelt, der in jedem zweiten Geschoss rund um das ganze Gebäude läuft. Er ersetzt die aufwändig herzustellende Sturzriegelvariante und vermeidet damit überdies den Dämmstoffwechsel – mit materialbedingt erhöhter Gefahr von Feuchteanreicherung – an kritischen und teilweise hoch beanspruchten Stellen. Nach zahlreichen Gremiensitzungen, Berechnungen und Praxisversuchen hat der FV WDVS nun klar bestätigt: Bei der Ausführung aus schwerentflammbarem EPS-Hartschaum (DIN 4102.-B1) in Dämmstoffdicken von 100 bis 300 mm stellt der umlaufende Brandriegel für WDV-Systeme auf Polystyrol-Basis eine technisch und konstruktiv sichere Lösung zur Optimierung des Brandschutzes dar.
Technische Ausführung ist abgesichert
Die erste allgemeine bauaufsichtliche Zulassung wurde bereits 2007 vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) erteilt. Inzwischen ist der umlaufende Brandriegel außerdem in die Zulassungen für WDV-Systeme aufgenommen worden. Weil darin aber nicht alle konstruktiven Möglichkeiten erörtert werden können, dient ein detailliertes Gutachten der MFPA Leipzig zur Erläuterung der technischen Ausführung. Die für nächstes Jahr angekündigte Neufassung der Technischen Information Brandschutz wird im Detail auf das Thema umlaufender Brandriegel eingehen. Juristisch eindeutiger wäre indes die Österreichische „Sicherheitslage“. Im Nachbarland hat die Prüf-, Überwachungs- und Zertifizierungsstelle Wien diese Art der Brandriegelausführung normativ geregelt.
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