
Es ist gerade mal 15 Jahre her, da schalt man Deutschland als Europameister bei den Bau- und Immobilienkosten – die deutschen Politiker taten dies Übrigen auch, wenngleich meist mit wenig Ahnung, wie sich Bau- und Immobilienkosten im Detail unterscheiden.
In jener Zeit pilgerten Legionen von Architekten, Ingenieuren und Studierenden ins benachbarte Holland, um sich dort, im Mekka der niedrigen Baukosten, über kostengünstige Bauweisen zu informieren. Bald darauf initiierte die Politik in Deutschland öffentlich geförderte Bau- und Finanzierungsprogramme zum „Kosten und Flächen sparenden Bauen“. Damit sollten einerseits wirklich die Baukosten reduziert werden, zum Beispiel durch Verzicht auf überzogene und daher unnötige Standards. Andererseits wollte man Anreize für intelligente Baukonzepte auf klein(st)en Baugrundstücken geben, denn in den hohen Grundstückspreisen lag und liegt eigentlich nach wie vor der Schlüssel zur Bezahlbarkeit und Rentabilität von Wohnraum.
Unbeschadet dieser Programme sind – von besten Lagen abgesehen – die Baukosten in zehn Jahren Baurezession ziemlich, die Grundstückspreise weniger gefallen. Planer mussten sich zum Aktualisieren ihrer Baukostensammlungen keine neuen Unterlagen besorgen, sondern konnten wegen der Baukostenrolle rückwärts Jahr ums Jahr auf die noch älteren Ausgaben der Baukostenkataloge zurückgreifen. In Deutschland entwickelte sich also die rückläufige „Wachstumsrate“ Bau gleichsam entgegengesetzt zur Heißluftproduktion der Investmentbanker in anderen Ländern …
Immobilienpreise in Europa teils deutlich höher
Allen vergangenen Leiden zum Trotz können wir im Nachhinein fast noch froh sein, heute bereits in dem Keller zu sitzen, in den andere just hineingeraten. Vor allem für Einfamilienhäuser muss in vielen unserer Nachbarländer heute deutlich mehr bezahlt werden, als hierzulande, sagt eine Berechnung der LBS Research. Bezogen auf ein durchschnittliches Familien-Eigenheim ragt nach den Daten von 2008 Luxemburg mit einem Durchschnittswert von 467.000 Euro für einen Neubau ganz weit heraus. Es folgen Belgien und die Niederlande, wo Eigenheime mit über 300.000 Euro gut 40 Prozent teurer sind als in Deutschland, wo die Statistik 215.000 Euro ansetzt. Auf den britischen Inseln sowie in Frankreich und Dänemark beträgt der Mehrpreis 15 bis 30 Prozent. Nach Angaben der LBS-Experten haben sich damit in kurzer Zeit die Verhältnisse umgekehrt. In einigen Ländern haben sich die Immobilienpreise glatt verdoppelt. Auch die „Wohnflucht“ ins benachbarte Grenzland hat sich umgedreht – der konstant niedrigen Immobilienpreise wegen lassen sich inzwischen immer mehr Bürger, etwa aus den Beneluxstaaten, hier nieder.
In einigen Ländern hat die akute Finanz- und Wirtschaftskrise zwar erste „Preiskorrekturen“ ausgelöst, weitere werden vermutlich folgen. Ob wir uns angesichts dieser Entwicklung als Zuschauer bequem zurücklehnen können, ist indes die Frage. Denn Bau- und Handwerksunternehmen, die bis jetzt vorrangig in den Boomländern rundherum gearbeitet haben, könnten bei zusammenbrechender Auftragslage ja auf die Idee kommen, ihr Glück mal wieder in Deutschland zu versuchen!