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Winds of Change

Winds of Change

Die BAU signalisierte Rückenwind für die Bauwirtschaft

Man stelle sich vor, es ist Krise und keiner schert sich darum. Genau diesen Eindruck einer heilen Parallelwelt vermittelte die BAU 2009.

Da gab es für sechs Messetage keine schlechten Börsennachrichten, keine Bankrotteure, keine Entlassungen, keine Sinkflug-Konjunkturen, keine Milliarden-Rettungsschirme – aber für die in München versammelte Baubranche leider auch keine Konjunkturpakete. Es herrschte eine mit gewissem Trotz unterlegte Verweigerung der Situation: Das hammer schon hinter uns! Nun lass mal die anderen ordentlich abspecken. Von uns hat man das auch verlangt, aber ohne Schutzschirm, um den freien Fall ins Nichts zu bremsen. Es war in der Tat unglaublich, was sich da vom 12. bis 17. Januar abspielte, in den voll ausgebuchten und sehr gut besuchten Münchener Messehallen. Während die Nachrichten rund um die Uhr „Land unter“ meldeten und die EU für Deutschland die schlimmste Rezession seit 1950 prophezeit (minus 2,3 Prozent), wurde die Krise auf der BAU komplett ausgeblendet! „Nach vorne schauen“ lautete die Devise. „Es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es von den Auguren gekocht wird – und überhaupt kommt es sowieso grad so, wie es kommt!“

Warten auf das Konjunkturpaket

Ja, himmizifix! War das nun Souveränität oder Fatalismus? Eigentlich war's keines von beiden, es war tatsächlich Normalität! Auch in der Rückschau bestätigen die Aussteller gute Gespräche, Zuversicht allenthalben und null Schwarzmalerei. Ja, gewiss, ein paar Stornierungen hat man schon hinnehmen müssen. Das lässt sich auch nicht vermeiden, auf dem Weg von medial verunsicherten Bauherren und Investoren über das Handwerk bis hin zu den Baustoff- und Bauproduktherstellern. Diesen Schwund sollte aber spätestens das Konjunkturpaket wieder kompensieren, das Bauminister Tiefensee bei der Messe-Eröffnung und beim Rundgang durch die Hallen voll Zuversicht avisierte. Mit Günter Verheugen war diesmal sogar ein ausgewachsener Vizepräsident der Europäischen Kommission zu Besuch – das verlieh der Veranstaltung auch hochoffiziell internationalen Glanz und unterstrich die Zuversicht fürs kommende Jahr. Denn spätestens am Abend im Hotel musste es einem doch wieder etwas blümerant werden, angesichts der Horror-Nachrichten, die einem mit Nachdruck die gute Laune rauben mochten. Aber wer möchte sich schon gerne seine heile Welt trüben lassen, selbst wenn sie sich von Illusionen nährt?!

Messe meldet Besucherrekord

Also, lieber schnell wieder hinein, am nächsten Morgen, in die heile BAU-Welt, wo nach sechs Messetagen mehr als 210.000 Besucher einen neuen Rekord erzielt haben – darunter 36.000 internationale Gäste aus 149 Ländern. Es war, so meldet die Messegesellschaft stolz, das beste Ergebnis in der mehr als 40jährigen Geschichte der BAU, die in diesem Jahr mit den Themen Nachhaltigkeit, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie Neue Energien ein deutliches Contra setzen wollte gegen den Klimawandel. Im realen Leben ist derselbe derzeit leider weit in den Hintergrund geraten vor dem dominierenden Dilemma der global wütenden Finanz- und Wirtschaftskrise. Aber sei’s drum, halten wir’s erstmal mit den Ausstellern und Besuchern der BAU, die mit viel Optimismus ins neue Jahr gestartet sind. Bis jetzt sieht es ja nicht schlecht aus, wenn auch zu raten ist, die Augen und Ohren nach allen Seiten recht weit offen zu halten. Eine gewisse Erfahrung haben wir anderen nämlich schon voraus: Für die Bauwirtschaft wäre es nicht das erste Mal, dass ihr der eben noch vorausgesagte Rückenwind urplötzlich brutal ins Gesicht bläst …

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